UNESCO-Weltkulturerbe Bamberg
Ein einzigartiges Stadtdenkmal von internationalem Rang im Steigerwald
Das UNESCO-Weltkulturerbe umfasst Kultur- und Naturstätten von außergewöhnlichem universellem Wert, deren Erhalt als gemeinsames Anliegen der Menschheit gilt. Mit der Aufnahme in die Welterbeliste werden Orte ausgezeichnet, die aufgrund ihrer Geschichte, Architektur oder kulturellen Bedeutung weit über nationale Grenzen hinaus von besonderer Bedeutung sind. Die Altstadt von Bamberg gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den am besten erhaltenen historischen Stadtanlagen Europas. Mit ihrer nahezu vollständig bewahrten mittelalterlichen Stadtstruktur, den eindrucksvollen Bauwerken sowie dem harmonischen Zusammenspiel von sakraler und weltlicher Architektur vermittelt sie bis heute ein einzigartiges Bild städtischer Entwicklung. Bamberg steht damit beispielhaft für das reiche kulturelle Erbe Deutschlands und trägt wesentlich dazu bei, Geschichte, Baukultur und Identität für kommende Generationen zu bewahren.
Weitere Infos: https://www.bamberg.info/weltkulturerbe/
Immaterielles Kulturerbe in Deutschland
Gelebte Traditionen im Steigerwald
Das immaterielle Kulturerbe umfasst lebendige Traditionen, Bräuche, Feste, Handwerkskünste und mündlich überlieferte Kenntnisse, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Deutschland setzt das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes durch ein bundesweites Verzeichnis um, das die Vielfalt dieser lebendigen Kulturformen sichtbar macht und ihre Weitergabe fördert. Anders als Bauwerke oder historische Stätten lebt das immaterielle Kulturerbe durch die Menschen, die es pflegen, weiterentwickeln und an kommende Generationen weitergeben. Es trägt wesentlich zur kulturellen Identität, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur kulturellen Vielfalt in Deutschland bei. Auch die Region Steigerwald ist geprägt von vielfältigen Traditionen, regionalen Bräuchen und handwerklichem Wissen, die das kulturelle Erbe der Landschaft lebendig halten und ihre Identität bis heute mitgestalten.
Baumfelderwirtschaft und traditionelle Dörrobstherstellung
Die Baumfelderwirtschaft und die traditionelle Dörrobstherstellung sind wertvolle Zeugnisse einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft. Bei der Baumfelderwirtschaft werden Ackerbau und Obstbau auf derselben Fläche miteinander verbunden: Zwischen den Obstbäumen werden landwirtschaftliche Kulturen angebaut, wodurch eine nachhaltige Nutzung der Flächen entsteht. Aus dem geernteten Obst wurde früher und wird teilweise bis heute durch schonende Trocknung haltbares Dörrobst hergestellt. Diese traditionellen Methoden verbinden landwirtschaftliches Wissen, handwerkliche Fertigkeiten und regionale Identität und tragen dazu bei, alte Bewirtschaftungsformen und überliefertes Wissen zu bewahren.
In Fatschenbrunn wird diese besondere Form der Landwirtschaft bis heute weitergeführt. Die Pflege der Baumfelder und die Herstellung von Dörrobst sind dort fest im Hutzelhof Hümmer verbunden und zeigen, wie überliefertes Wissen lebendig gehalten und an kommende Generationen weitergegeben wird. Jährlich wird dieses immaterielle Kulturerbe am 3. Oktober mit Veranstaltungen und Aktionen rund um die traditionelle Dörrobstherstellung gewürdigt und für Besucher erlebbar gemacht.
Weitere Infos: Hutzeln aus Fatschenbrunn
Osingverlosung
Die Osingverlosung ist ein einzigartiges Beispiel für gelebte Tradition, gemeinschaftliche Verantwortung und nachhaltige Landnutzung. Seit Jahrhunderten wird in der Osing-Gemeinde (die Dörfer Humprechtsau, Krautostheim, Herbolzheim und Rüdisbronn) eine besondere Form der gemeinsamen Bewirtschaftung von Ackerflächen gepflegt. Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass fruchtbare und weniger ertragreiche Felder gerecht unter den Berechtigten verteilt werden. Unterschiede in der Qualität der Flächen werden durch einen finanziellen Ausgleich berücksichtigt.
Die gemeindefreie Hochfläche wurde erstmals am 8. Mai 1465 urkundlich erwähnt und bildet heute die letzte erhaltene Markgenossenschaft dieser Art in Deutschland. Mit rund 264 Hektar Fläche und 213 Feldanteilen zählt die Osing zu den größten Gemeinschaftsbesitzen in Europa. Die Neuverlosung der Flächen findet traditionell in einem Turnus von zehn Jahren statt; zuletzt wurden die Feldanteile im Jahr 2024 neu vergeben.
Weitere Infos: Osingverlosung in Frankens Mehrregion
Traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern
Die traditionelle Karpfenwirtschaft im Aischgrund ist eine über Jahrhunderte gewachsene Form der Teichbewirtschaftung und prägt bis heute das Landschaftsbild der Region. Bereits im Mittelalter entstanden zahlreiche kleinteilige Teichlandschaften, die von bäuerlichen Familienbetrieben bewirtschaftet wurden. Die meist kleinen Teiche werden häufig im Nebenerwerb geführt und tragen durch ihre vielfältigen Lebensräume zur Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft bei.
Durch die besondere Bewirtschaftung entwickelten sich regionale Karpfenstämme wie der Aischgründer Karpfen, der für seine Qualität und seine enge Verbindung zur Landschaft bekannt ist. Das Wissen über Teichbau, Bespannung, Fütterung, Abfischung und Pflege der Teiche wird seit Generationen weitergegeben und ist eng mit der Identität der Menschen im Aischgrund verbunden.
Die traditionelle Karpfenzucht ist nicht nur eine Form der Lebensmittelproduktion, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des regionalen Brauchtums. Besonders die herbstlichen Abfischfeste verbinden Landwirtschaft, Handwerk und Gemeinschaft.
In Neustadt an der Aisch wird diese besondere Tradition im Aischgründer Karpfenmuseum anschaulich vermittelt. Die Ausstellung gibt Einblicke in die über 1250-jährige Geschichte der Karpfenzucht, den Jahreskreislauf der Teichwirtschaft sowie die Arbeit der Teichwirte.
Weitere Infos: Das Aischgründer Karpfenmuseum.
Innerstädtischer Erwerbsgartenbau in Bamberg
Der innenstädtische Erwerbsgartenbau in Bamberg ist eine über Jahrhunderte gewachsene Form der urbanen Landwirtschaft und ein prägendes Element der regionalen Kultur. Seit dem 14. Jahrhundert werden auf den fruchtbaren Schwemmsandböden der Flussaue Gemüse- und Kräutersorten angebaut. Dazu zählen unter anderem verschiedene Salat- und Kohlsorten, Spargel, Zwiebeln, Knoblauch, Süßholz, Petersilie und Rote Beete.
Die Erzeugnisse werden bis heute auf dem „Grünen Markt“, in Hofläden, Restaurants und regionalen Verkaufsstellen angeboten. Neben den besonderen Pflanzensorten haben sich auch traditionelle Anbaumethoden, Werkzeuge und eigene Begriffe im lokalen Dialekt erhalten. Der Gartenbau ist eng mit der Lebensweise der Gärtnerfamilien verbunden und zeigt sich in überlieferten Wohnformen, Bräuchen und gemeinschaftlichen Traditionen.
Vereine und engagierte Gärtnerinnen und Gärtner setzen sich dafür ein, die alten Sorten zu bewahren und das Wissen über Anbau, Pflege und Kultivierung an kommende Generationen weiterzugeben. So bleibt der innenstädtische Erwerbsgartenbau ein lebendiger Bestandteil des immateriellen Kulturerbes und prägt bis heute das Bild und die Identität Bambergs.
Weitere Infos: Gärtnerstadt Bamberg
Kulturformen der Nutzung bäuerlicher Gemeinschaftswälder im Steigerwald und angrenzenden Regionen
Die Gemeinschaftswälder im Steigerwald und den angrenzenden Regionen Frankens sind ein besonderes Beispiel für gelebte Tradition, gemeinschaftliche Verantwortung und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Seit Jahrhunderten werden diese Wälder nach überlieferten Regeln gepflegt, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen sind eng mit der Dorfkultur verbunden, prägen das Landschaftsbild und tragen zum Erhalt der Artenvielfalt bei.
Die historischen Regelwerke der Gemeinschaftswälder unterscheiden sich von Ort zu Ort. Sie sind teilweise schriftlich festgehalten, teilweise mündlich überliefert und bewahren besondere Fachbegriffe, Arbeitstechniken, Rituale und Bräuche. Festgelegte Abläufe regeln die jährliche Nutzung der Waldflächen sowie die gerechte Verteilung des Holzes und stellen sicher, dass der Wald nachhaltig erhalten bleibt.
Die jährliche Holzvergabe ist dabei mehr als eine reine Bewirtschaftungsform: Sie ist ein wichtiger Treffpunkt der Dorfgemeinschaft und verbindet die Menschen mit ihrer Landschaft und ihrer Geschichte. So bleibt dieses wertvolle Wissen lebendig und wird als Teil des immateriellen Kulturerbes bewahrt.
Besonders verbreitet sind diese traditionellen Bewirtschaftungsformen im südlichen Steigerwald sowie in Teilen des mittleren und westlichen Steigerwaldes. Beispiele finden sich unter anderem in Gemeinden wie Oberschwarzach, Willanzheim, Weigenheim und Ergersheim.
Weitere Infos: Bäuerliche Gemeinschaftswälder in Frankens Mehrregion
Immaterielles Kulturerbe in Bayern
Traditionen, die den Steigerwald prägen
Zusätzlich zu den auf Bundesebene in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommenen Traditionen und Bräuchen werden auch auf Landesebene kulturelle Ausdrucksformen gewürdigt und dokumentiert. Das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes umfasst zahlreiche regionale Bräuche, Feste, Handwerkstechniken, Musik- und Tanztraditionen sowie überliefertes Wissen, die für die kulturelle Identität Bayerns von besonderer Bedeutung sind. Es ergänzt das bundesweite Verzeichnis und trägt dazu bei, die Vielfalt der lebendigen Kultur im Freistaat sichtbar zu machen sowie ihre Weitergabe an zukünftige Generationen zu fördern.
Sebastiani Oberschwarzach
Der Sebastianitag in Oberschwarzach geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahr 1611 zurück. Während einer verheerenden Pestepidemie versprachen die Bewohner, den heiligen Sebastian als Schutzpatron gegen die Pest jährlich zu ehren, sollte der Ort von weiteren schweren Verlusten verschont bleiben. Der Überlieferung nach ließ die Zahl der Todesfälle nach diesem Schwur deutlich nach. Bis heute wird der Sebastianitag am 20. Januar mit einem Gottesdienst und einer Prozession gefeiert und erinnert an die enge Verbindung von Glauben, Hoffnung und Gemeinschaft. Der heilige Sebastian gilt seit Jahrhunderten als Schutzheiliger gegen die Pest; sogenannte „Sebastianspfeile“ wurden früher als Schutzzeichen gegen die Krankheit getragen.
Weitere Infos: Sebastianitag in Markt Oberschwarzach
Heilig-Blut-Fest in Burgwindheim
Das Heilig-Blut-Fest in Burgwindheim zählt zu den bedeutendsten religiösen Traditionen der Region Steigerwald. Jährlich pilgern Gläubige aus der Umgebung nach Burgwindheim, um gemeinsam Gottesdienste zu feiern und an der feierlichen Prozession teilzunehmen. Das Fest verbindet gelebten Glauben mit jahrhundertealten Bräuchen und stärkt bis heute das Gemeinschaftsgefühl sowie die kulturelle Identität der Region. Als fester Bestandteil des religiösen und kulturellen Jahreskalenders trägt das Heilig-Blut-Fest dazu bei, das immaterielle Kulturerbe des Steigerwalds lebendig zu erhalten.
Das Heilig-Blut-Fest in Burgwindheim wird jedes Jahr genau acht Tage nach Fronleichnam gefeiert.
Weitere Infos: Heilig-Blut-Fest in Burgwindheim
Das Europäische Kultuerbe-Siegel
Spuren der Zisterzienser in Ebrach und Europa
Mit der Gründung des Zisterzienserklosters Ebrach im Jahr 1127 prägten die Zisterzienser die Kulturlandschaft des Steigerwalds nachhaltig. Ihre Wirtschaftsweise, der Ausbau von Wäldern, Feldern und Gewässern sowie ihre Baukunst hinterließen bis heute sichtbare Spuren in der Region. Das europäische Netzwerk Cisterscapes macht dieses gemeinsame zisterziensische Erbe über Ländergrenzen hinweg erlebbar. Für dieses herausragende Kulturerbe wurde Cisterscapes im Jahr 2024 mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Ebrach ist dabei ein bedeutender Standort und vermittelt die Geschichte und den nachhaltigen Einfluss der Zisterzienser auf Landschaft, Kultur und Gesellschaft.
Weitere Infos: Cisterscapes - connecting Europ